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Physik & Ingenieurwesen Zeitlos 9 min read

Die Physik der Speicherung erneuerbarer Energie: Warum Batterien nicht die einzige Lösung sind

Batterien beherrschen die Schlagzeilen, doch sie decken nur 5 % der weltweiten netzgebundenen Energiespeicherkapazität ab. Die restlichen 90 % nutzen Schwerkraft, Wärme, Druck und chemische Bindungen auf eine Weise, die Batterien schlicht nicht leisten können.

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Hydroelectric dam with reservoir demonstrating renewable energy storage through gravitational potential
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Wenn über die Speicherung erneuerbarer Energie gesprochen wird, sind damit fast immer Batterien gemeint. Lithium-Ionen-Zellen versorgen unsere Smartphones, Autos und zunehmend auch unsere Haushalte. Was die Schlagzeilen dabei verschweigen: Pumpspeicherwerke halten historisch über 90 % der weltweit netzgebundenen gespeicherten Energie[s]. Der größte Teil der weltweit gespeicherten Elektrizität ist Wasser hinter Staudämmen, das darauf wartet zu fallen.

Das ist kein Versagen der Batterietechnologie. Es ist Physik. Unterschiedliche Speicherprobleme erfordern unterschiedliche physikalische Lösungen. Eine Batterie glänzt bei kurzen Leistungsschüben auf engem Raum. Genug Energie zu speichern, um eine Stadt durch eine windstille Nacht zu versorgen? Dafür braucht es etwas völlig anderes.

Speicherung erneuerbarer Energie durch Schwerkraft

Die vorherrschende Form der netzgebundenen Speicherung erneuerbarer Energie beruht auf einem Prinzip, das selbst ein Kind verstehen würde: Hebe etwas Schweres an, wenn du Überschussenergie hast, und lass es fallen, wenn du Energie brauchst.

Pumpspeicherkraftwerke tun genau das mit Wasser. Wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt, pumpen Pumpen das Wasser bergauf in ein Reservoir. Wenn die Nachfrage ansteigt, fließt das Wasser durch Turbinen bergab und erzeugt Strom. Die Technologie ist seit den 1890er-Jahren im kommerziellen Betrieb[s] und macht heute über 90 % der weltweiten netzgebundenen Energiespeicherung aus[s].

Allein in den USA bieten 42 Pumpspeicheranlagen eine Kapazität von 23 Gigawatt, was 97 % der versorgungsseitigen Speicherkapazität des Landes entspricht[s]. Zudem befinden sich 67 neue Projekte in 21 Bundesstaaten in Planung[s].

Neue schwerkraftbasierte Systeme kommen ganz ohne Wasser aus. Unternehmen wie Energy Vault errichten Strukturen, die mithilfe von Überschussstrom massive Blöcke aus Verbundmaterial anheben und zum Rückspeisen von Strom wieder absenken. Diese Systeme erreichen Gesamtwirkungsgrade von 83 bis 85 %[s], annähernd so hoch wie Lithium-Ionen-Batterien, ohne die Probleme des Bergbaus oder der Degradation.

Thermische Speicherung erneuerbarer Energie

Wärme ist Energie. Diese grundlegende Tatsache liegt thermischen Speichersystemen zugrunde, die sich besonders für Solarkraftwerke bewährt haben und eine der ausgereiftesten Formen der Speicherung erneuerbarer Energie darstellen.

Solarthermische Kraftwerke mit Konzentrationstechnologie verwenden Spiegel, um Sonnenlicht auf Empfänger zu bündeln, die Flüssigsalz auf Temperaturen von rund 565 °C erhitzen[s]. Das überhitzte Salz fließt in isolierte Tanks, wo es stunden-, tage- oder sogar monatelang gespeichert werden kann. Wenn Strom benötigt wird, erzeugt die Wärme Dampf zum Antrieb von Turbinen. Bemerkenswerterweise verliert Flüssigsalz pro Tag nur etwa 1 Grad Wärme[s].

Die Technologie wird seit 1985 kommerziell eingesetzt[s] und kann 30 Jahre oder länger in Betrieb bleiben[s].

Andere Unternehmen erforschen Varianten. Energy Dome in Italien speichert Energie, indem Kohlendioxid zu einer Flüssigkeit verdichtet und dann durch Turbinen entspannt wird. Das Verfahren führt 75 % der gespeicherten Energie ins Netz zurück und kann 30 Jahre ohne Degradation betrieben werden[s].

Druckluft und Schwungräder

Zwei weitere physikalische Prinzipien treiben wichtige Speichertechnologien an: Druck und Rotation.

Druckluftspeicherkraftwerke pressen Luft in unterirdische Kavernen, wenn Strom günstig ist, und geben sie durch Turbinen frei, wenn die Nachfrage ihren Höhepunkt erreicht. Die erste kommerzielle Anlage wurde 1978 in Huntorf eröffnet und ist bis heute in Betrieb[s]. Ein zweites Kraftwerk in McIntosh, Alabama, ist seit 1991 in Betrieb[s].

Schwungräder verfolgen einen anderen Ansatz: Sie speichern Energie als Rotationsenergie. Fortschrittliche Konstruktionen verwenden Kohlefaserrotoren, die im Vakuum auf Magnetlagern mit Drehzahlen von bis zu 60.000 U/min rotieren[s]. Sie können sofort auf Netzsignale reagieren und eignen sich daher ideal zur Frequenzregelung.

Wasserstoff: chemische Energiespeicherung

Wasserstoff bietet etwas Einzigartiges: Er entkoppelt die Speicherkapazität vollständig von der Leistungsabgabe. Elektrolyseure zerlegen Wasser mit Überschussstrom in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff kann in Tanks gespeichert, durch Pipelines gepumpt oder in Brennstoffzellen wieder in Strom umgewandelt werden.

Die weltweite Elektrolyseurkapazität könnte bis 2030 auf 240 Gigawatt ansteigen[s]. Die Technologie ist besonders vielversprechend für die Saisonspeicherung, bei der im Sommer erzeugte Energie im Winter zum Heizen genutzt werden kann.

Warum die Vielfalt bei der Speicherung erneuerbarer Energie entscheidend ist

Keine einzelne Technologie kann alles leisten. Batterien reagieren in Millisekunden, degradieren aber im Laufe der Zeit. Pumpspeicher können enorme Energiemengen speichern, benötigen dafür aber Gebirge und Wasser. Wasserstoff speichert Energie monatelang, verliert aber bei der Umwandlung mehr. Jede Technologie besetzt eine Nische, die andere nicht füllen können.

Das Netz der Zukunft wird nicht auf einer einzigen Lösung basieren. Es wird viele Formen der Speicherung erneuerbarer Energie kombinieren, abgestimmt auf die Zeitskalen und Dimensionen, für die sie am besten geeignet sind. Die Physik fordert es.

Der öffentliche Diskurs über die Speicherung erneuerbarer Energie konzentriert sich fast ausschließlich auf elektrochemische Batterien, insbesondere Lithium-Ionen-Chemien. Diese Fixierung verdeckt eine grundlegende Realität: Gemessen an der gespeicherten Energiemenge entfallen historisch über 90 % der weltweit netzgebundenen Speicherung auf schwerkraftbasierte Pumpspeichertechnologie[s], auch wenn die Leistung netzgekoppelter Batteriespeicher in den letzten Jahren rasch gewachsen ist. Um das zu verstehen, muss man die Physik der Energiespeicherung über verschiedene Zeitskalen und Leistungsanforderungen hinweg betrachten.

Grundlegende Physik der Speicherung erneuerbarer Energie

Energiespeicherung nutzt mehrere physikalische Prinzipien: potenzielle Lageenergie, Wärmeenergie, kinetische Energie, chemische Bindungsenergie und innere Energie verdichteter Gase. Jedes Prinzip bietet unterschiedliche Vorteile für verschiedene Speicherdauern und Leistungsklassen.

Potenzielle Lageenergie skaliert mit Masse und Höhe (E = mgh). Das macht sie ideal für große Speicherkapazitäten, aber ungeeignet für portable Anwendungen. Kinetische Energie (E = ½Iω²) glänzt bei schneller Entladung, stößt aber an Grenzen der Rotationsgeschwindigkeit. Thermische Energiespeicherung profitiert von hohen spezifischen Wärmekapazitäten und Phasenübergängen. Elektrochemische Speicherung bietet hohe Energiedichte, degradiert aber durch wiederholte Lade- und Entladezyklen.

Pumpspeichertechnologie: die dominierende Technologie

Pumpspeichertechnologie stellt die kommerziell ausgereifteste Technologie dar, mit einer weltweiten installierten Kapazität von rund 160 GW im Jahr 2020[s]. In den USA machen 42 Anlagen mit einer kombinierten Kapazität von 23 GW 97 % der versorgungsseitigen Speicherung aus[s].

Der Gesamtwirkungsgrad moderner Pumpspeicheranlagen übersteigt typischerweise 80 % und degradiert während der Lebensdauer der Anlage nicht[s]. Zum Vergleich: Die U.S. Energy Information Administration gibt einen durchschnittlichen Gesamtwirkungsgrad von 79 % für Pumpspeicher gegenüber 82 % für versorgungsseitige Batterien an[s]. Der entscheidende Unterschied ist die Langlebigkeit: Pumpspeicheranlagen sind über 50 Jahre in Betrieb, während Batteriesysteme nach 10 bis 15 Jahren ersetzt werden müssen.

Die Technologie kann Schwarzstartfähigkeit, Frequenzregelung und Trägheitsantwort auf Netzstörungen bereitstellen. Drehzahlvariable Pumpturbinen ermöglichen jetzt Regelungsleistungen sowohl im Pump- als auch im Erzeugungsbetrieb[s].

Neuartige schwerkraftbasierte Speicheransätze eliminieren den Wasserbedarf. Die Systeme von Energy Vault erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von 83 bis 85 % mit Verbundblöcken, die von Regenerativkranen angehoben und abgesenkt werden[s]. Diese Systeme können überall dort errichtet werden, wo Gebäude gebaut werden können, wodurch topografische Einschränkungen entfallen.

Thermomechanische Energiespeichersysteme

Solarthermische Kraftwerke mit Konzentrationstechnologie setzen thermische Energiespeicherung seit 1985 kommerziell ein[s]. Zweitank-Flüssigsalzsysteme dominieren aktuelle Installationen: Ein „Kalttank“ hält Salz bei etwa 260 °C, während der „Heißtank“ Salz bei 565 °C speichert[s]. Der Wärmeverlust ist minimal, rund 1 °C pro Tag[s], was bei Bedarf mehrtägige Speicherung ermöglicht.

Die Flüssigsalzmischungen (üblicherweise Natriumnitrat und Kaliumnitrat) bleiben durch tägliche Thermozyklen mindestens 30 Jahre lang chemisch stabil[s].

Druckluftspeicherung (CAES) speichert Energie als Druckluft in unterirdischen Kavernen. Das 290-MW-Kraftwerk Huntorf in Deutschland ist seit 1978 in Betrieb; das 110-MW-Kraftwerk in McIntosh, Alabama, seit 1991[s]. Traditionelle diabatische CAES erfordert Erdgasverbrennung bei der Entladung, aber fortschrittliche adiabatische Systeme integrieren nun thermische Speicherung, um die Kompressionswärme zu erhalten, und erreichen Wirkungsgrade von 60 bis 70 %[s].

Flüssigluft-Energiespeicherung (LAES) verdichtet Luft bei kryogenen Temperaturen bis zur Flüssigphase und speichert sie in Tanks bei Atmosphärendruck. Wenn Strom benötigt wird, wird die Flüssigluft auf hohen Druck gebracht und durch Turbinen entspannt. Erwartete Wirkungsgrade liegen zwischen 45 und 70 %[s].

Das CO₂-basierte System von Energy Dome nutzt die Eigenschaft, dass Kohlendioxid unter Druck ohne kryogene Kühlung verflüssigt. Der geschlossene Kreislaufprozess erreicht einen Gesamtwirkungsgrad von 75 % mit einer Betriebslebensdauer von 30 Jahren und ohne Kapazitätsdegradation[s].

Kinetische Speicherung: Schwungradsysteme

Schwungräder speichern Energie als kinetische Rotationsenergie. Moderne Systeme verwenden Kohlefaserverbundrotoren, Magnetschwebläger und Vakuumgehäuse zur Minimierung von Reibungsverlusten. Fortschrittliche Konstruktionen erreichen Rotationsgeschwindigkeiten von bis zu 60.000 U/min[s].

Der Hauptvorteil ist die Reaktionszeit: Schwungräder können innerhalb von Sekunden nach einem Netzsignal volle Leistung liefern, was sie für Frequenzregelung und Stromqualitätsanwendungen wertvoll macht. Die Haupteinschränkung ist die Selbstentladung: Im Schwungrad gespeicherte Energie dissipiert aufgrund von Restreibung innerhalb von Stunden, was die Technologie auf Kurzzeitanwendungen beschränkt.

Wasserstoff: Power-to-Gas-Speicherung

Wasserstofferzeugung per Elektrolyse wandelt elektrische Energie in chemische Bindungsenergie um. Der gespeicherte Wasserstoff kann durch Pipelines transportiert sowie über Brennstoffzellen oder Verbrennungsturbinen wieder in Strom umgewandelt werden. Protonenaustauschmembran-Elektrolyseure (PEM) bieten schnelle Anstiegsraten und Startzeiten, die ideal für Netzdienstleistungen sind[s].

Weltweite Elektrolyseurkapazitätsprognosen erreichen 240 GW bis 2030[s]. Die Technologie ermöglicht echte Saisonspeicherung, da Wasserstoff unbegrenzt in Salzkavernen oder erschöpften Gasreservoirs gespeichert werden kann.

Der Gesamtwirkungsgrad bleibt die Haupteinschränkung: Elektrolyse gefolgt von Brennstoffzellenerzeugung erreicht typischerweise 30 bis 40 % Wirkungsgrad, deutlich unter konkurrierenden Technologien. Für Speicherdauern von mehreren Wochen oder im saisonalen Bereich hat Wasserstoff jedoch keine praktische Konkurrenz.

Batteriegrenzen bei der Speicherung erneuerbarer Energie

Lithium-Ionen-Batterien erzielen die höchsten Gesamtwirkungsgrade (82 % im Durchschnitt für versorgungsseitige Installationen[s]) und die schnellsten Reaktionszeiten. Sie stoßen jedoch bei Netzmaßstab an mehrere Grenzen.

Kapazitätsdegradation begrenzt die Betriebslebensdauer auf 10 bis 15 Jahre. Lithiumabbau produziert rund 15 Tonnen CO₂ pro Tonne gefördertem Lithium[s]. Die Kobaltbeschaffung wirft erhebliche Lieferketten- und ethische Bedenken auf. Diese Faktoren erhöhen die Stromgestehungskosten für Langzeitanwendungen.

Thermomechanische Systeme prognostizieren hingegen oft Kosten unter 100 $/kWh bei Betriebslebensdauern von 30 Jahren und mehr[s].

Integration von Speichersystemen erneuerbarer Energie

Netzbetreiber erkennen zunehmend, dass optimale Speicherportfolios technologische Vielfalt erfordern. Batterien bewältigen substündliche Schwankungen und Frequenzregelung. Pumpspeicher und CAES adressieren den tagesperiodischen Zyklus. Thermische Systeme ermöglichen dispatchierbare Solarstromerzeugung in den abendlichen Spitzenbedarf. Wasserstoff übernimmt den saisonalen Transfer.

Die Physik jeder Technologie bestimmt ihre Nische. Keine einzelne Lösung kann Speicheranforderungen von Millisekunden bis Monaten, von Megawatt bis Gigawatt wirtschaftlich abdecken. Das Netz der Zukunft braucht alle.

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Quellen